Die Bremer Stadtmusikanten

Es hatte ein Mann einen Esel, der schon lange Jahre die Säcke unverdrossen zur Mühle getragen hatte.
Nun aber war der Esel alt, so dass er zur Arbeit nicht mehr recht taugte, und sollte aus dem Futter geschafft werden. Der Esel merkte, dass für ihn kein guter Wind wehte, lief fort und machte sich auf den Weg nach Bremen, um dort Stadtmusikant zu werden.

Als er eine Weile gegangen war, fand er einen erschöpften Hund am Wege liegen. "Warum jappst du denn so?" fragte der Esel. "Weil ich alt bin, jeden Tag schwächer werde und nicht mehr auf die Jagd kann, da wollte mich mein Herr erschießen."
Der Esel lud ihn ein, mit ihm zu kommen und als Musikant die Pauken zu schlagen. Der Hund war einverstanden.

Bald sahen sie eine Katze am Wege sitzen, die machte ein Gesicht wie drei Tage Regenwetter: "Weil ich nun alt bin, meine Zähne stumpf werden und ich lieber hinter dem Ofen sitze, als nach Mäusen jage, hat mich meine Herrin ersäufen wollen."
“Du verstehst dich doch auf die Nachtmusik, du kannst mit uns gehen." Die Katze schloss sich an.

Bald darauf trafen sie einen wehklagenden Haushahn: "Die Hausfrau hat der Köchin befohlen, mir heute Abend den Kopf abzuschlagen. Nun schrei ich aus vollem Hals, solange ich noch kann.“
Darauf sagte der Esel: “Du hast eine gute Stimme, komm mit uns, es wird gar herrlich klingen“. Dem Hahn gefiel das und sie gingen gemeinsam fort.

In einem Wald wollten sie übernachten. Doch der Hahn bemerkte in der Nähe ein Haus mit Licht, ein großes Räuberhaus.
Da ratschlagten die Tiere, wie die Räuber fortzujagen wären.

Der Esel stellte sich mit den Vorderfüßen auf das Fenster, der Hund sprang auf des Esels Rücken, die Katze kletterte auf den Hund und zuletzt flog der Hahn hinauf auf den Kopf der Katze.
Alsbald fingen sie mit ihrer Musik an: der Esel schrie, der Hund bellte, die Katze miaute und der Hahn krähte.
Darauf stürzten sie durch das Fenster in die Stube hinein, dass die Scheiben klirrten.
Die Räuber fuhren bei dem entsetzlichen Geschrei hoch und flohen in den Wald.
Nun setzten sich die vier an den Tisch, aßen von den Speisen und als sie satt waren, suchte sich jeder eine Schlafstätte.
Nach Mitternacht schickten die Räuber einen Mann zurück, um nachzusehen, ob noch jemand da wäre.
Der Räuber wollte im Haus ein Licht anzünden. Aber die Katze sprang ihm ins Gesicht und kratzte ihn aus Leibeskräften. An der Hintertür sprang der Hund auf und biss ihn ins Bein. Der Esel gab ihm noch einen tüchtigen Schlag mit dem Hinterfuß. Und der Hahn schrie lauthals: "Kikeriki!"
Da lief der Räuber, was er konnte und mit ihm seine Gesellen. Von nun an getrauten sich die Räuber nicht mehr in das Haus.

Den vier Bremer Stadtmusikanten aber gefiel es darin so gut, dass sie nicht wieder heraus wollten und darin ihr Leben lang wohnen blieben.