Das tapfere Schneiderlein

Es war einmal ein armer Schneider, der wollte gerade in sein Brot mit Pflaumenmus beißen, da bemerkte er einige Fliegen, die es auf den süßen Belag abgesehen hatten.
Mit einem Schlag seiner Elle erlegte er sieben von ihnen. Voller Stolz nähte er sich einen Gürtel und stickte darauf: „Sieben auf einen Streich“. Davon sollte nun die ganze Welt erfahren.
Er packte in seine Tasche ein altes Stück Käse und einen Vogel, den er aus einem Strauch befreit hatte. So zog er aus der Stadt hinaus.
Auf seinem Weg durch das Land traf er auf einen Riesen, dem er stolz seinen Gürtel zeigte. Der Riese aber lachte ihn aus, quetschte einen Stein, bis Wasser heraus lief, und fragte: "Kannst du das auch?"
Da nahm der Schneider den Käse und drückte den Saft heraus.
Der Riese warf einen Stein in die Höhe, dass man ihn kaum mehr sehen konnte. Unser Schneider griff den Vogel aus der Tasche, tat so, als sei er Stein und warf ihn in die Luft. "Tja, meiner ist so hoch, der fällt nimmer herab."
Da lud ihn der Riese zum Übernachten in seine Höhle ein. Dort warteten bereits weitere Riesen. In der Nacht wurde dem tapferen Schneiderlein ein Bett zugewiesen. Es war natürlich viel zu groß für ihn, so dass er sich in eine Ecke zurückzog.
Um Mitternacht nahmen die Riesen eine Eisenstange, schlugen das Bett in zwei Teile und glaubten, mit dem Schneider sei es nun aus.

Dieser setzte andern Tags seine Reise unbeschadet fort.
Angekommen im Garten eines königlichen Palastes, wurde er müde und legte sich inmitten der Wiese schlafen. Die Leute, die vorbeikamen, lasen die Worte auf seinen Gürtel und hielten ihn für einen tapferen Helden und Kämpfer.
Als der König davon erfuhr, ließ er ihn zu sich bringen und versprach ihm seine Tochter, wenn er das Land von den zwei Riesen befreite, die in seinem Königreich umher streiften.

Das tapfere Schneiderlein zog sogleich los und fand die Riesen schlafend unter einem hohen Baum. Er kletterte hinauf in die Wipfel und bewarf erst den einen und dann den anderen mit Steinen.
Die Riesen wachten auf und dachten, dass der jeweils andere mit Steinen geworfen hätte. Das führte zu einem schlagwütigen Kampf, bei dem zuletzt beide Riesen ums Leben kamen.
Nachdem der König das tapfere Schneiderlein noch in zwei weiteren Aufgaben auf die Probe stellte und es diese ebenfalls durch seine List bestand, erhielt der Schneider zum Schluss die Königstochter und das gesamte Königreich.

Ich bin auch auf der Hochzeit gewesen, hab jede Menge Gänsewein getrunken.