Der Froschkönig

In den alten Zeiten, wo das Wünschen noch geholfen hat, lebte ein König, dessen Töchter waren alle schön, aber die jüngste war so schön, dass die Sonne selber, die doch so vieles gesehen hat, sich wunderte, sooft sie ihr ins Gesicht schien.

Der Lieblingsplatz der Prinzessin war ein Brunnen im nahen Wald, wo sie am liebsten mit ihrer goldenen Kugel spielte.
Als die Kugel jedoch eines Tages in den Brunnen fiel, weinte und klagte sie bitterlich, bis ein Frosch kam und ihr seine Hilfe anbot. Als Gegenleistung für diesen Dienst wollte er keine Edelsteine oder Gold.
Er sagte: „Deine Kleider, deine Perlen und Edelsteine, die mag ich nicht, aber wenn du mich lieb haben willst, und ich soll dein Geselle und Spielkamerad sein, an deinem Tischlein sitzen, von deinem Tellerlein essen, aus deinem Becherlein trinken, in deinem Bettlein schlafen... Wenn du mir das versprichst, will ich dir deine goldene Kugel heraufholen.“
Die Prinzessin versprach ihm alles, obwohl sie insgeheim dachte: „so ein einfältiger Frosch kann keines Menschen Geselle sein.“

Als der Frosch nach einer Weile die goldene Kugel an die Prinzessin übergab, sprang sie mit großen Schritten davon in Richtung Schloss. Der Frosch aber quakte und quakte, sie solle doch auf ihn warten. Sie aber scherte sich nicht um ihn.
Am anderen Tag, als der König mit seiner Familie und allen Hofleuten an der großen Tafel speiste, klopfte es an die Tür und eine Stimme verlangte nach der jüngsten Königstochter.

Als sie öffnete, erblickte sie den Frosch, der die Einlösung ihres Versprechens verlangte. Die Prinzessin schlug die Tür zu und setzte sich ängstlich an die Tafel zurück.
Der König verlangte eine Erklärung, und als sie ihm geschildert hatte, was passiert war und was sie versprochen hatte, sagte der König: „Was du versprochen hast, das musst du auch halten; geh nur und mach ihm auf.“
Nun musste die Prinzessin alles einhalten, was sie versprochen hatte. Der Frosch setzte sich neben sie auf die Tafel, aß von ihrem Tellerchen, trank von ihrem Becherchen und wollte auch mit ihr in ihrem Bettchen schlafen.
Da weinte sie und fürchtete sich vor dem kalten Frosch, aber der König sprach: "Wer dir geholfen hat in der Not, den sollst du hernach nicht verachten."
Sie packte den Frosch mit zwei Fingern und setzte ihn in eine Ecke ihrer Kammer. Als er aber durchaus verlangte, sie möge ihn in ihr Bettlein setzen, wurde sie zornig, hob ihn auf und warf ihn mit allen Kräften gegen die Wand. Als er aber herabfiel, da war er ein schöner, junger Königssohn, der von einer Hexe in einen Frosch verwünscht worden war.

Am nächsten Morgen fuhren die beiden Königskinder in einem prächtigen Wagen mit acht weißen Pferden nach des Prinzen Schloss, um dort Hochzeit zu halten.

Und wenn sie nicht gestorben sind, so sind sie auch heute noch glücklich.